Mittwoch, 4. Juli 2018

Die Augen der Anderen


Augen können sehen, sie können sprechen, sie können Gefühle ausdrücken, gute und schlechte. Augen können glänzen, sie können stumpf wirken, sie können funkeln oder sprühen. Sprühen können sie vor Freude, aber auch vor Emotion, sie können alles zwischen Liebe und Hass ausdrücken, sie können weich sein oder Härte ausdrücken, sie können Leidenschaftlichkeit vermitteln oder Gleichgültigkeit. 

Es ist eine ganz normale dienstliche Situation, nicht anregend, nicht erregend, reine Routine, eintönig. Die Langeweile wird lähmend, ermüdend, es gilt nicht einzuschlafen. Um mich abzulenken, sehe ich in die Gesichter um mich herum, Gesichter, die ich schon oft gesehen habe, im täglichen Allerlei des Jobs, normale Gesichter, Durchschnittsgesichter, Gesichter die bei mir keine nennenswerten Emotionen ausgelöst hatten, Gesichter eben.

Mit leicht nach unten geneigtem Kopf mustere ich in der Hoffnung meine Blicke damit zu verbergen die Gesichter um mich herum, es wäre mir unangenehm ertappt zu werden, fühle mich wie ein Voyeur. 

Mein Blick bleibt an zwei Augen hängen, unmittelbar gegenüber, zwei Augen, die zuerst in eine andere Richtung sehen und sich nach wenigen Sekunden direkt auf mich richten. Die Blicke begegnen sich zufällig, ich fühle mich ertappt, sehe weg, ein Kribbeln im Genick, ein Zeichen, dass mich irgendetwas bewegt, ich merke, dass der Blick der anderen Augen noch auf mir lastet, ein Gefühl, als ob sich der Blick in meine Haut einfrisst, unangenehm werdend, ich bin versucht dort zu kratzen, wo ich den Blick spüre.

Augen können sehen, wir können mit ihnen sehen und wir können sie sehen, alles vergänglich.


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